100 Fotos und ein Tagebau in Öl
Zeitensprünge in Luppenau
Im Jahre 1950 wurden die Dörfer Tragarth, Löpitz und Lössen verwaltungsrechtlich zusammengeschlossen. Der neue Name Luppenau verweist auf die Lage in der Luppen-Aue. Seit 2005 ist die Ortschaft Mitglied der Gemeinde Schkopau. Die Region hat durch die Erschließung und Renaturierung des Tagebaus Merseburg- Ost charakteristische Veränderungen erfahren. Von 1973 bis 1991 wurde Braunkohle gefördert. Die Sanierung der beiden Restlöcher endete mit dem Abschluss ihrer Flutung 2000: Der Raßnitzer und der Wallendorfer See umfassen zusammen eine Fläche von etwa 600 ha.
Die Ausstellung Zeitensprünge haben wir für die Bürger von Luppenau zusammengestellt und 2008 im Schloss Löpitz gezeigt. Das Interesse war überwältigend.
Im Geiseltal vollzieht sich heute ein vergleichbarer Prozess, in wesentlich größerer Dimension aber einige Jahre später. Wie dankbar und schnell die Natur diese Veränderungen annimmt, können Sie mit uns erleben.
Leicht gebeugt steht der Schäfer auf seinen Hirtenstab gestützt. Schlapphut und Umhang trotzen der Witterung. Die Zigarette hat er aus dem Mund genommen. Sein wettergegerbtes Gesicht weist ins Leere. Nur die beschatteten Augen vermitteln dem Betrachter das Gefühl, angesehen zu werden. Aber vielleicht gilt der Blick auch der Herde, die in den letzten Strahlen der Sonne, gleich auf dem Bild daneben, grasend ins Dorf zieht.
Die Großmutter: 96 Lebensjahre haben ihre Schönheit geformt. Güte, Herzlichkeit und eine kleine Portion Schalk zeichnen ihr Gesicht. Ein Lichtreflex in der Pupille ist wie ein kurzes geheimnisvolles Zwinkern.
Kurt Güttel aus Löpitz (Jg. 1925) war von 1960 bis 1985 im Fotoclub der „Alufolie“ aktiv. Seine Arbeiten, viele auf nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt, folgten den thematischen Vorgaben des Clubs. Ungeachtet dessen ist ein einmaliges Zeitdokument über unsere Aue entstanden.
Ilja Bakkal (Jg.1956) fotografiert seit einigen Jahren die Landschaft und das Gemeindeleben in Luppenau am Ufer des Wallendorfer Sees. Die Themen ähneln sich, der Ort bleibt derselbe. Dreißig bis nahezu fünfzig Jahre liegen dazwischen:
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Begeben wir uns auf eine Wanderung durch die Zeit, auf regennassen matschigen Straßen,
die es nicht mehr gibt, durch den unberührten Auenwald. Begegnen wir den Kindern von
damals und heute, erinnern wir uns an Menschen, die nicht mehr leben.
Zeigen Sie Ihren Kindern oder Enkeln die Bagger im Tagebau, die Luppe voller Wasser und das letzte Pferd der LPG.
Fahren Sie mit mir im Kanu in den Sonnenaufgang, vorbei an den versinkenden Bäumen oder auf Schiern über den gefrorenen See, bei Sonnenschein, Sturm und Nebel.
Fotofreunde werden erkennen, wie auch die Bilder an sich, über die Jahrzehnte Veränderung erfahren. Handentwickelte schwarzweiß- Aufnahmen, spezielle Techniken, analoge Farbfotografie in unterschiedlichen Qualitäten und der Einstieg in die digitale Fotografie sind eine zweite Zeitreise in dieser Ausstellung.
Ilja Bakkal